9 July 2026

Club Kultur #165 | "Mehr Aufmerksamkeit als ein Goldfisch"

Play0:00-0:0051 min

Rudi Wrany im Gespräch mit Marvin Aloys, DJ, Labelbetreiber und seit einigen Wochen Betreiber des (noch) jungen Onlinemediums Mixmag in the Alps. Wollten früher alle DJs in die Metropolen, zieht es heute plötzlich in die Berge. Zwischen Après-Ski, Boutique-Hotels und elektronischer Musik stellt sich die Frage: Ist das die Zukunft der Clubkultur oder bloß die nächste Instagram-Kulisse? Eine Bestandsaufnahme. (superfly.fm)

Shownotes

FISHERMANS CLASSIC

Das Donauinselfest 2026 ist Geschichte und einmal mehr kann man feststellen: Der Wettergott scheint auf der Payroll der Veranstalter zu stehen. Abgesehen von ein paar Regentropfen am Sonntag blieb es trocken, die von mir besuchten Bühnen waren vor allem in den Abendstunden ausgezeichnet gefüllt. Zu den erfreulichsten Programmpunkten zählte für mich Classic 2 Go. Nicht nur die ungewöhnliche Verbindung zweier musikalischer Welten machte den Reiz aus, sondern vor allem die großartigen Sängerinnen, die dem Projekt jene Qualität verliehen, die man in Crossover-Experimenten allzu oft vergeblich sucht. Etwas kurios geriet allerdings die Clubkultur-Bühne. Wobei "Bühne" fast schon übertrieben klingt. Hinter der DJ-Booth fand neben dem Equipment höchstens noch ein DJ mit maximal 1,70 Meter Körpergröße Platz, der Rest „gebückt“ speilen. Der Sparstift macht eben auch hier nicht mehr halt, aber sind wir froh, dass es noch so gut funktioniert.

GRATISKONZERT

Als Anrainer der Donauinsel beschäftigt mich nach jedem Donauinselfest dieselbe Frage. Es ist bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit ein politisch gewolltes und öffentlich finanziertes Großereignis Lautstärken entfalten darf, die je nach Windrichtung noch kilometerweit glasklar am Balkon ankommen. Das wirft zwangsläufig eine grundsätzliche Frage auf: Wenn ein Event dieser Dimension diese Freiheiten genießt, warum gelten für viele kleinere Open-Air-Veranstaltungen deutlich strengere Maßstäbe? Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die Stadt hier eine ausgewogenere Linie findet. Nicht um das Donauinselfest leiser zu machen, sondern um auch kleineren Kulturveranstaltern und Promotern realistische Chancen zu geben, Veranstaltungen unter freiem Himmel umzusetzen. Kulturpolitik endet schließlich nicht dort, wo die Gratiswürstel beginnen.

PRATERSAUNA 3.0

Für Gesprächsstoff sorgt derzeit auch die Pratersauna. Seit einigen Tagen tauchen in den sozialen Netzwerken neue Kanäle mit Bildern der nach den mysteriösen Verwüstungen schwer ramponierten Location auf. Unter dem Slogan "Nicht alles bleibt“, oder "Es schwimmt." werden Fotos der Verwüstung gezeigt, gleichzeitig wird ein neues Gastronomieprojekt namens Edison angekündigt. Viel mehr weiß derzeit niemand. Ob hier tatsächlich ein Neustart vorbereitet wird oder ob die mysteriöse Kampagne am Ende doch nur eine besonders ambitionierte Marketingübung ist, bleibt abzuwarten. Fast wirkt es jedenfalls so, als hätte jemand meinen Aprilscherz vom vergangenen Jahr als Anstoß zu einem Businessplan verstanden.

MIXMAG IN THE ALPS

Mit Mixmag in the Alps bekommt eines der bekanntesten Medien der internationalen elektronischen Musikszene einen Ableger für den Alpenraum. Im Mittelpunkt stehen elektronische Musik, Festivals, Destinationen und Clubkultur in Österreich und der Schweiz. Statt ausschließlich über Clubs und Releases zu berichten, richtet sich der Blick zunehmend auf Bergdestinationen, Boutique-Hotels, außergewöhnliche Venues und jene Mischung aus Lifestyle und elektronischer Musik, die heute offenbar ebenso gut funktioniert wie früher der dunkle Kellerclub. Möglich gemacht hat das Marvin Aloys. Der Hoteliersproß aus Ischgl ist DJ, Labelbetreiber und verbrachte einen Teil seiner Jugend in England, wo Mixmag seit Jahrzehnten beinahe Pflichtlektüre für elektronische Musik ist. Heute organisiert er außerdem Veranstaltungen in Kitzbühel und - in Kürze auch in Velden und versucht nun, die Marke zwischen Gletscherpanorama und Clubkultur neu zu positionieren. Was steckt also hinter diesem neuen Medium? Wen will es erreichen? Und braucht die elektronische Musik tatsächlich Gipfelkreuze, um wieder neue Höhen zu erklimmen? Mehr hört ihr, wenn ihr hört. Und wie fast immer könnt ihr dabei auch etwas gewinnen.