11 June 2026

Club Kultur #163 | "Ohne die SPÖ gäbe es kein Donauinselfest"

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Rudi Wrany im Gespräch mit Steve Hope über das Donauinselfest und danach mit Christian Rumpf über neue Events in Kärnten. (superfly.fm)

Shownotes

NACH LIGHTHOUSE IST VOR DER PRIDE

Das Wetter meinte es heuer gut mit dem Lighthouse Festival. Die große Mainstage gibt es zwar nicht mehr, insgesamt dürfte die Veranstaltung aber durchaus erfolgreich verlaufen sein. Musikalisch dominierte House in nahezu allen denkbaren Schattierungen das Programm, flankiert von einigen Bounce- und Techno-Acts. Auch am Lighthouse geht der Generationenwechsel nicht spurlos vorbei. Die Jubelbilder in den sozialen Medien sehen zwar Jahr für Jahr erstaunlich ähnlich aus, die Gesichter darauf sind jedoch nicht mehr dieselben. Manche musikalischen Entwicklungen muss man dabei nicht zwangsläufig verstehen. „Okay Boomer“, ich weiß. Dennoch fällt auf, dass das Festival kleiner geworden ist und bis zuletzt Vorverkaufstickets erhältlich waren. Dieses Schicksal teilt das Lighthouse mit einem anderen Großereignis: der Pride beziehungsweise Regenbogenparade.

Während die Pride in den vergangenen Jahren noch eine ganze Woche lang die Stadt prägte, konzentriert sich das Geschehen heuer weitgehend auf den großen Umzug am Samstag, dem 13. Juni. Im Vorfeld steigen in den sozialen Medien wie gewohnt die Pulsfrequenzen, sobald die erste Regenbogenflagge auftaucht. Auch das gehört mittlerweile zum Ritual. Die Nacht danach dürfte jedenfalls wieder heiß werden.

REIF FÜR DIE INSEL

Das Donauinselfest findet heuer aufgrund diverser Großveranstaltungen erst Anfang Juli statt. Neben den bekannten Mainstream-Bühnen wird es erneut die Clubkultur-Bühne geben. Ein Projekt, über das wir hier bereits mehrfach gesprochen haben. Auch heuer stellt sich dieselbe Frage: Handelt es sich dabei um ein gut gemeintes Feigenblatt, das einmal im Jahr hervorgeholt wird, um die elektronische Szene symbolisch zu umarmen? Oder um eine ernst gemeinte Initiative zur Sichtbarmachung einer Kulturform, die Wien seit Jahrzehnten prägt und mitgestaltet? Darüber spreche ich heute mit Steve Hope, den ich erneut ins Studio eingeladen habe. Und der postuliert, dass ohne die statdprägende Partei der letzten Jahre das Donauinselfest längst Geschichte wäre.

MIXMAG IN THE ALPS

Wer sich mit elektronischer Musik beschäftigt, kommt an Mixmag kaum vorbei. Das 1983 in London gegründete Medium gilt neben Resident Advisor als eine der einflussreichsten Marken der globalen Clubkultur. Längst geht es dabei nicht mehr nur um ein Magazin. Mixmag ist Medienplattform, Eventveranstalter, Videoformat und weltweites Netzwerk zugleich. Mit den legendären „Mixmag Lab“-Sessions hat die Marke Künstlern wie Carl Cox, Peggy Gou oder Charlotte de Witte zusätzliche internationale Sichtbarkeit verschafft. Gleichzeitig entstanden in den vergangenen Jahren zahlreiche regionale Ableger von Deutschland über Spanien und Brasilien bis nach Asien und Lateinamerika.

Doch das deutsche Mixmag, für das auch ich eine Zeitlang schreiben durfte, verschwand Ende der Zehnerjahre unauffällig leise und kehrte nicht wieder. Unter dem Namen „Mixmag in the Alps“ entsteht nun gerade eine soziale Plattform, die elektronische Musik, Clubkultur und alpine Regionen miteinander verbinden möchte. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie naheliegend: Während sich die internationale Szene seit Jahrzehnten auf Metropolen und Küstenregionen konzentriert, verfügen die Alpen über enormes Potenzial als kulturelle und touristische Bühne. Im Zentrum des Projekts steht Marvin Aloys, der bereits mit verschiedenen Veranstaltungsformaten in Tirol und Kitzbühel auf sich aufmerksam gemacht hat. Seine Vision: den Alpenraum als eigenständige Destination für elektronische Musikkultur zu etablieren.

LEISER DREHEN

Wie schwierig es geworden ist, Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, wissen nicht nur wir in Wien. Besonders in den Bundesländern könnte man darüber ganze Opern verfassen, allerdings eher in Moll. Salzburg produziert regelmäßig Empörungswellen rund um Veranstaltungen, die oft schneller als „böse Raves“ etikettiert werden, als man eine Beschwerde bei der Bezirksverwaltung einreichen kann. In Graz fand heuer erstmals kein Springfestival mehr statt. Wer darin politische Zusammenhänge erkennen möchte, findet genügend Material für längere Stammtischdebatten. Oberösterreich wiederum sucht seit Jahren nach einem neuen Leuchtturmprojekt. Sieht man von den Bemühungen von Mike Vinyl ab, der im Raum Steyr nahezu im Alleingang versucht, die Fahne der elektronischen Musikkultur hochzuhalten.

DOWN UNDER

Und dann wäre da noch Kärnten. Ein Bundesland, das für Clubkultur eigentlich ideale Voraussetzungen mitbringt: Seen, Naturarenen, sanfte Almen und spektakuläre Kulissen. Man erinnere sich an das Jahr 1996, als in der Villacher Alpenarena plötzlich Namen wie Laurent Garnier, Jeff Mills und Carl Cox auftauchten und für einen kurzen Moment der Eindruck entstand, Kärnten könnte zu einem Fixpunkt auf der europäischen Clublandkarte werden. Die Euphorie hielt bekanntlich nicht lange. Danach wurde es erstaunlich still. Sieht man von einigen KSOT-Bootstouren am Wörthersee oder der alljährlichen Fête Blanche ab.

Mit „Down Under“ starten wir heute deshalb eine neue Rubrik. Nicht, weil wir nach Australien auswandern wollen, sondern weil wir einen Blick auf Regionen werfen möchten, die kulturell oft unter dem Radar fliegen, obwohl dort bemerkenswerte Dinge entstehen. Für die Premiere kehre ich zurück in meine alte Heimat, ins Lavanttal.

Mein zweiter Gast ist Christian Rumpf, besser bekannt als DJ Evarpare. Mit kleinen, aber bemerkenswerten Veranstaltungen wie dem Modular Mountain auf dem Schlossberg in Griffen oder dem Saualm-Rave zeigt er, dass elektronische Kultur nicht zwangsläufig eine Millionenstadt benötigt. Manchmal reichen eine gute Idee, ausreichend Beharrlichkeit und einige Menschen, die sich vom Satz „Das funktioniert hier nicht“ nicht beeindrucken lassen. Mehr hört Ihr, wenn Ihr hört. Und Ihr könnt auch gewinnen.