14 May 2026

Club Kultur #161 | "Das letzte Wort gesprochen..?"

Play0:00-0:0048 min

Hat Rudi Wrany mit dem letzten Pratersauna-Pächter Basti wahrscheinlich tatsächlich über die Pratersauna gesprochen? Jenen legendären Club, der im Dezember des vergangenen Jahres ebenso plötzlich wie unrühmlich schließen musste und über dessen Zukunft mittlerweile wohl nur noch jene Pflanzen Bescheid wissen, die zwischen den Trümmern des zerstörten Interieurs emporwachsen. Viel blieb nicht übrig von einem Ort, der über Jahrzehnte hinweg als Sehnsuchtsmaschine des Wiener Nachtlebens funktionierte. (superfly.fm)

Shownotes

ESC-FIEBERTRAUM?

Zwischen Eurovision Village, EuroClub im Praterdome und zahllosen Sonderveranstaltungen verwandelt sich Wien derzeit in eine temporäre Parallelrealität aus Pop-Exzess, Sicherheitsapparat und europäischem Gemeinschaftstheater. Die Stadt versucht sich gleichzeitig als queere Partyhauptstadt, Fan-Zone und gut organisierte Open-Air-Maschinerie. Der ESC bleibt dabei eine jener seltenen Großveranstaltungen, bei denen europäische Popkultur, Geopolitik und Eskalationspotenzial völlig selbstverständlich ineinanderfließen. Tagsüber Aperol und Fähnchen am Rathausplatz, nachts Delegationen, DJs und übermüdete Medienmenschen zwischen Donaukanal und Stadthalle. Ein sehr österreichischer Balanceakt zwischen Sachertorte und Nebelmaschine. Dazwischen: unzählige Partys wohin man blickt. Nur das Wetter zeigt sich wenig festivalfreundlich. Ausgerechnet jetzt schicken die Eisheiligen Kälte und Regen ins Land, als hätte selbst der Himmel beschlossen, dem kollektiven Dauerrausch kurz die Nebelmaschine abzudrehen.

30 JAHRE DAS TECHNO CAFÉ

Ein Format, das längst aufgehört hat, bloß eine Party zu sein, und über Jahrzehnte zu einem sozialen Ritual der Wiener Nachtkultur wurde. Was Mitte der 1990er als Dienstagabend für Eingeweihte begann, entwickelte sich zu einem jener seltenen Orte, an denen sich Clubkultur, Stadtleben und gesellschaftliche Veränderung kreuzten. Während zahllose Formate an Größenwahn, Gentrifizierung oder dem eigenen Hype scheiterten, blieb das Techno Cafe bemerkenswert konstant - nicht als nostalgische Zeitkapsel, sondern als Raum, der sich immer wieder neu erfinden musste, ohne seinen Kern völlig preiszugeben. Das geplante Interview mit Betreiberin Sandra Kendl musste kurzfristig verschoben werden und wird in Kürze nachgeholt.

OPEN AIR

Der Frühling zeigte sich bislang ungewöhnlich heiß und trocken, entsprechend boomte alles, was draußen stattfindet. Business as usual also. Auch wenn viele Anlagen weiterhin eher Bass nach unten als Klang nach vorne produzieren, nimmt man es erstaunlich gelassen hin. Hauptsache Sonne, Hauptsache draußen, Hauptsache irgendein Getränk in der Hand. Anders sieht es bei Zwidemu und den offiziell geförderten Veranstaltungen der Stadt aus – dort steppt der Bär weiterhin erstaunlich zuverlässig. Sogar Bundespräsident Alexander Van der Bellen bewies Humor und drehte gemeinsam mit Anna Ullrich ein kurzes Video anlässlich des Europa-Raves am 9. Mai. Wäre die Politik doch häufiger so freundlich zur Clubkultur. Indoor hingegen bleibt die Stimmung verhalten. Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass die Wiener Clubszene weiter erodiert. Wirklich gut läuft seit geraumer Zeit kaum noch etwas.

RUINEN

Sind von der Pratersauna geblieben. Wer heute einen vorsichtigen Blick durch den Zaun im Prater wirft, erkennt nur noch Schattenrisse eines einst weltbekannten Clubs. Im Dezember endete die dritte Bespielung des Hauses nach nur wenigen Monaten unter, sagen wir einmal, bemerkenswert undurchsichtigen Umständen. Übrig blieb ein Labyrinth aus Klagen, enttäuschten Hoffnungen, dubiosen Firmenkonstruktionen und offenen Fragen. Das Ende war nicht nur unrühmlich, sondern vor allem still. Es gab keinen letzten großen Abend, keinen würdigen Abschied, kein finales Ritual. Ein Club von internationalem Ruf verschwand einfach im Winternebel dieser Stadt. Der letzte Betreiber Basti musste all das schmerzhaft mittragen und hat sich nach mehreren Verschiebungen nun doch zu einem bemerkenswert offenen, ehrlichen und durchaus selbstkritischen Gespräch über die letzten Tage der Sauna entschlossen. Dafür gebührt ihm Respekt. Den Rest hört ihr, wenn Ihr hört.