22 January 2026

Club Kultur #153 | "Mensch, Maschine"

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Rudi Wrany im Gespräch mit Austrian Apparel (AA+)-Mitbegründer und Produzent Dominik Traun über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Produktionsprozess und mögliche Zukunftsbilder. Im Zentrum steht die Frage, wie nachhaltig und sinnvoll sich KI in kreative und industrielle Abläufe integrieren lässt - und wo ihre Grenzen liegen. Und was bedeute das nun für Ghostproducer? (superfly.fm)

Shownotes

DER LETZTE AUFGUSS

Im Drama um die Pratersauna haben sich in den vergangenen Tagen neue Facetten ergeben. Über die Pressestelle von Martin Ho wurde nun offiziell kommuniziert, dass die Ricomoney Hospitality Group die Pratersauna in ihrer aktuellen Form nicht weiter bespielen wird. Als Gründe werden das veränderte Ausgehverhalten der Wienerinnen und Wiener sowie die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit genannt. Der strategische Fokus liege inzwischen auf internationalen Projekten, insbesondere in Dubai. In Wien konzentriere man sich auf das VIE i PEE. Ein Statement, das glatt klingt, fast schon zu glatt. Dass parallel eine aufrechte Räumungsklage besteht und die Situation dadurch nicht einfacher wurde, haben wir hier bereits ausführlich thematisiert. Nun dürfte unter diese Geschichte endgültig ein Schlussstrich gezogen werden.

Und ganz ehrlich: Ich glaube nicht mehr daran, dass die Pratersauna noch einmal als Club in der altbekannten Form zurückkehrt. Dafür ist zu viel passiert. Zu viele Brüche, zu viele offene Wunden, zu schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Aus der Location ließe sich vieles machen: ein Sommercafé, ein Restaurant, vielleicht ein Hotel. Aber ein Club im bisherigen Sinn? Das halte ich für äußerst unwahrscheinlich. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, realistisch betrachtet spricht derzeit wenig dafür.

Mein Fazit ist ernüchternd, aber konsequent: Man hat es noch einmal versucht. Doch die Zeit war wirtschaftlich extrem schwierig, und den ultralangen Atem, den es gebraucht hätte, um das auszusitzen, hat 2026 schlicht niemand mehr. Zuletzt wurde auch kolportiert, dass das Geld knapp wurde und man auch deshalb aufhören musste. Schade. Wirklich schade!

NOCH MEHR SIGNAL"E"

Wo Verlierer sind, gibt es auch Gewinner. Das O, beziehungsweise das Freitagsformat Signal, wandert zunehmend als Großevent in die Pyramide. Nach dem Doppelschlag am 13. und 14. März folgt nun am 24. April ein Booking des Keinemusik-Acts &ME. Wer die kursierenden Gerüchte über die Gagen solcher Acts kennt, kann sich ungefähr ausrechnen, in welchen Dimensionen wir uns hier bewegen. Aber so funktioniert das Geschäft: Wenn es läuft, dann läuft es. Großevents mit mehreren tausend Besuchern werfen in Summe deutlich mehr ab als mühsam kuratierte Clubnächte. Dafür braucht es aber eben dann (sehr teure) Headliner. Ein Kreislauf, den ich persönlich kritisch sehe, den ich ökonomisch aber durchaus nachvollziehen kann. Für die Clubs ist das allerdings keine einfache Entwicklung.

DOMINIK TRAUN

Dominik Traun gründete Austrian Apparel einst gemeinsam mit Sebastian Wasner. Mittlerweile verwaltet er das Projekt allein weiter, ohne dass AA+ offiziell aufgelöst wäre. „Wer weiß“, sagt er, vielleicht gibt es irgendwann ein Revival. In den Podcast kommt Traun jedoch nicht primär deswegen, sondern als vielseitiger und beschäftigter Produzent und profunder Kenner von Künstlicher Intelligenz - und deren Anwendungsmöglichkeiten im kreativen Prozess.

WER HATS ERFUNDEN?

Kennt ihr Sienna Rise oder LEGAC3? Das sind von Algorithmen geschaffene Acts, die rein auf KI basieren und bei denen nichts „echt“ im klassischen Sinn ist. Gerade im schnelllebigen Dancefloor-Kontext könnte KI in den kommenden Jahren für einen Quantensprung sorgen: einerseits durch die massenhafte Produktion beliebiger Musik, andererseits durch das schleichende Verschwinden altbewährter Produktionsmethoden und Arbeitsweisen. KI ist längst nicht mehr nur ein Schlagwort aus Tech-Pitches oder Marketingfolien. Sie komponiert, arrangiert, analysiert und optimiert. Sie schlägt Akkordfolgen vor, generiert Klangmaterial, imitiert Stile und beschleunigt Produktionsprozesse. Und sie stellt damit eine der grundlegendsten Fragen neu:

Was bedeutet es heute eigentlich noch, Musik zu machen?

Gerade in der elektronischen Musik, einer Szene, die seit jeher zwischen Mensch und Maschine, zwischen Technologie und Körperlichkeit oszilliert, trifft diese Entwicklung einen empfindlichen Nerv. Einerseits war elektronische Musik immer technikaffin, experimentierfreudig und offen für neue Werkzeuge. Andererseits lebt sie von Haltung, Handschrift, Fehlern und vom bewussten Eingriff des Menschen ins System. Ob hier ein genereller Bedeutungsverlust droht oder neue kreative Räume entstehen, hört ihr, wenn ihr hört.